„Besser spät als nie...“ – konstruktives Treffen mit Minister Metelmann

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Vertreter der Landesverbände des Fachverbandes Moderne Fremdsprachen (FMF) und der Vereinigung der FranzösischlehrerInnen (VdF) Mecklenburg-Vorpommerns trafen sich am Montag 19.5.2003 endlich mit dem Bildungsminister des Landes, Prof. Dr. Dr. Hans-Robert Metelmann, zu dem seit zwei Jahren geplanten, immer wegen der Einführung der Regionalschule und dem Ministerwechsel verschobenen Informationsgespräch von 1 ¼ Stunden im Institut Francais in Rostock.

Dieses Treffen nutzten beide Verbände einerseits, um sich zunächst mit ihren sprach- und bildungspolitischen Zielen und bisherigen Arbeitsergebnissen bei der Weiterentwicklung des Fremdsprachenunterrichts in MV dem Minister vorzustellen.
Andererseits bot sich die Gelegenheit, dem neuen Minister die Agenda dessen vorzutragen, was beide Verbände in der momentanen Situation im Blick auf die Lage des Fremdsprachenunterrichts an den Schulen in MV und auf allgemeine Aspekte von Sprachenpolitik als Handlungsbedarf erkennen.


FMF und VdF konnten verdeutlichen, wie wichtig ihnen die weitere inhaltliche Ausgestaltung des frühbeginnenden Fremdsprachenunterrichts, die Diversifikation des Fremdsprachenangebots, die neusprachliche Profilierung von Gymnasien und anspruchsvolle Realschulabschlussprüfungen in den Fremdsprachen sind. Die Bundeskongresse und Landestagungen beider Verbände stellen einen wichtigen Beitrag zum Fortbildungsangebot für Fremdsprachenlehrer in MV dar. Hier konnte dem Minister besonders der Unterschied zwischen fachverbandlichen und gewerkschaftlichen Lehrerinteressen illustriert werden.

Im Meinungsaustausch über die Europatauglichkeit des Fremdsprachenunterrichts (Stichwort „Mehrsprachigkeit“, Muttersprache plus 2 Sprachen der EU) entstand der Eindruck, dass der Minister die Ansicht teilt, dass der frühbeginnende Fremdsprachenunterricht für 96% aller Kinder in der Regel in Englisch, in einigen Schulen auch in Französisch, erst dann die für eine Fortführung notwendige Effektivität erreicht, wenn seine Einführung ab Klasse 3 mit einer zweiten Wochenstunde flächendeckend erfolgt und die derzeit unterbrochene Qualifizierung der Grundschullehrer fortgesetzt wird.

Zur Situation des Fremdsprachenunterrichts in der Sekundarstufe I und II thematisierten die Verbände, dass für den 10.-Klasse-Abschluß die Einbeziehung der 2. Fremdsprache unbedingt wünschenswert wäre – entweder im Wege eines Bonussystems (Prüfung in Frz./Russisch gleicht eine weniger geglückte der vier anderen aus) bzw. durch ein Wahlpflichtsystem (statt englisch ist die 2. FS möglich).

Im Übergang zur Sek. II wurde die Chancengleichheit im Blick auf Latein eingefordert. Das Latinum müsste Ende der Klase 11 erworben werden – die jetzige Regelung bedeutet de facto eine relative Privilegierung von Latein im Vergleich zu den anderen zweiten FS.
Alle (alten wie neuen) FS müssten durch eine Überarbeitung der Abiturverordnung gestärkt werden – auch in MV müssten zwei Fremdsprachen bis zum Abitur verbindlich belegt werden, wobei der Kurs 13/1 in jedem Fall mitzählen sollte. Nur auf diese Weise kann die europaweite Forderung nach Verwirklichung des Prinzips der Mehrsprachigkeit im Blick auf europäische Integration, Mobilität und internationalen Arbeitsmarkt in der Praxis umgesetzt werden. Eine wichtige Hilfe ist die Abhaltung von Prüfungen wie dem Bundesfremdsprachenwettbewerb und dem französischen DELF-Diplom , die zugleich motivieren und den Leistungsgedanken fördern.

Dem Minister wurden auch die Forderungen der Fachverbände zum Erhalt der Lehrerausbildung in Slawistik und Romanistik in Rostock und Greifswald vorgetragen: hier wurden die Vorstellungen von FMF/VdF interessiert zur Kenntnis genommen und im Blick auf die Romanistik in Greifswald um den Gedanken einer Umorientierung in Richtung Quebec-Studien bereichert.

Insgesamt entstand bei den Vertretern der beiden Fachverbände der Eindruck eines wohlwollend-interessierten Ministers, der allerdings wenig konkret werden konnte und wollte – was sicher der allgemeinen Haushaltslage im Lande geschuldet ist, die allerdings nicht direkt anzusprechen er dezent und elegant genug war.

Fazit: „Besser spät als nie gesprochen“ – es bleibt abzuwarten, was in dieser Legislaturperiode sprachenpolitisch tatsächlich geschieht...

Im Mai 2003

gez. Dr. Thomas Schmidt-Grassee