Vereinigung der Französischlehrerinnen und –lehrer e.V.

                   Landesverband Mecklenburg-Vorpommern

                      

 

                                                                                     Jeanne Nissen          

Ministerium                                                                                        1. Vorsitzende

für Bildung, Wissenschaft und Kultur MV                                            Ehming Bülten 6d

Herrn Minister Prof. Dr. Dr. H.-R. Metelmann                         18347 Ostseebad Dierhagen

Werderstr. 124

19055 Schwerin                                                                                Telefon 038226 53923

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                                                                                                          jeanne-nissen@t-online.de

 

 

 

 

Betr. : Situation des Französischunterrichts in MV

 

 

Sehr geehrter Herr Minister,

 

wie Sie sicherlich bereits aus dem Bericht zur Situation des Französischunterrichts in Mecklenburg-Vorpommern vom LISA erfahren haben, ist der Bestand von Französisch bedroht, und ich sehe mich, in meiner Eigenschaft als Vorsitzende der VdF, gezwungen, Sie darauf hinzuweisen, dass, wenn in der nächsten Zeit keine durchgreifenden Maßnahmen ergriffen werden, nur noch Englisch als einzige Fremdsprache in MV gelernt werden soll.

 

Uns allen ist bekannt, dass die EU-Kommission einen Aktionsplan Fremdsprachen für die Jahre 2004 bis 2006 vorgelegt hat : dort wird empfohlen,  lebensbegleitend Fremdsprachen zu lernen, so früh wie möglich damit zu beginnen, das Sprachenlernen und das Sprachenlehren zu verbessern  und ein sprachenfreundliches Umfeld zu schaffen . Dies gipfelt in der Formel, dass jeder Bürger der EU mindestens  zwei Fremdsprachen lernen soll, neben seiner Muttersprache.

 

Aus diesem gesamteuropäisch anerkannten, von allen bejahten Aktionsplan folgt mithin für jedes Land der Bundesrepublik eigentlich die Notwendigkeit, eine SPRACHENPOLITIK zu entwickeln, die dieser plurilingualen Zielperspektive Rechnung trägt. Und hier erhebt die VdF deutlich mahnend ihre Stimme, um Sie  darauf hinzuweisen, dass beim augenblicklichen Stand der Fremdsprachendinge in MV keine Rede von der Einhaltung dieses Aktionsplans sein kann.

 

Für deutsche Schülerinnen und Schüler, auch für die aus MV, hat das Französische eine besondere Bedeutung, weil zu Frankreich auf der Basis des Vertrags über die deutsch-französische Zusammenarbeit vom 22. Januar 1963 zahlreiche Beziehungen kultureller, wirtschaftlicher, wissenschaftlicher und politischer Art bestehen. Hier erhält die Gemeinsame Erklärung über Regionale Zusammenarbeit zwischen der Region Poitou-Charentes und dem Land Mecklenburg-Vorpommern vom 28.10.2003 ein besonderes Gewicht, ist sie doch sozusagen die auf unser Land zugeschnittene Konkretisierung des 41jährigen deutsch-französischen Vertrages.

Um die deutsch-französischen Beziehungen allerdings wirklich lebendig zu gestalten, bedarf es konkreter und deutlicher Schritte seitens Ihres Hauses. Ich möchte nur kurz auf folgende Punkte hinweisen:

 

  1. Der Fortbestand von Französisch an ausgewählten Grundschulen ist stark gefährdet, da die Versorgung mit qualifizierten Lehrkräften zukünftig nicht mehr gesichert ist. Eine Wiederaufnahme der berufsbegleitenden Weiterbildung für den Lernbereich Französisch an der Grundschule ist dringend erforderlich.

 

  1. An den Regionalen Schulen in MV wird die Wahl der 2 FS (auch Französisch) gleichwertig mit anderen Fächern (die für die Schüler als nicht so arbeitsintensiv gelten) aus dem Wahlpflichtbereich nur noch 3-stündig unterrichtet – hier wäre eine Aufwertung über eine Bonus-Regelung bei der Versetzungsordnung hilfreich.

 

  1. Diese 2. Fremdsprache hat keine Relevanz für den qualifizierten Realschulabschluss und der Französischunterricht wird fast  ausschließlich am Nachmittag unterrichtet – auch hier ließe sich über entsprechenden Erlass Abhilfe schaffen.

 

  1. Ein Angebot Französisch als 1. Fremdsprache an den Gymnasien gibt es immer noch nicht. Durch die Verlagerung der 3. Fremdsprache nach Jahrgangsstufe 10 ab Schuljahr 2004/2005 werden noch weniger Schüler Französisch wählen, da die 3. und die spätbeginnende Fremdsprache zusammenfallen werden. – Hier wäre über ein Vorziehen des Einsetzens der 2. Fremdsprache in Klasse 6 nachzudenken.

 

  1. Die 2. Fremdsprache findet keine Berücksichtigung bei den 10. Klasseprüfungen – mindestens am Gymnasium sollte sie fester Bestandteil sein, an der Regionalschule könnte man auch hier mit einer Bonus-Regelung Anreiz schaffen bzw. die Bedeutung der 2. Fremdsprache unterstreichen.

 

  1. Beim künftigen Abitur wird als Pflichtteil die 1. Fremdsprache gefordert. Man könnte stattdessen EINE Fremdsprache verlangen (was die Tür für die 2. FS offenhält), um zu vermeiden, dass als einzige Fremdsprache Englisch herrscht.

Besser wäre sicherlich, dass wie in anderen Bundesländern, Sachsen z.B., die Belegung einer 2. Fremdsprache bis zum Abitur verbindlich verankert wird.

 

Wir als VdF fürchten, dass es in den nächsten Jahren keine Sprachenvielfalt mehr in MV geben wird, wenn sich nicht eine klare, an gesamteuropäischen Richtlinien orientierte SPRACHENPOLITIK im Lande durchsetzt. Dies erscheint auch in Zeiten „knapper“ Kassen möglich, gilt es doch vorzugsweise – zum Wohle unserer Kinder – planvoll auf dem Erlasswege ordnend und strukturierend zu arbeiten. Sollte unsere Mitarbeit erwünscht sein, stehen wir selbstverständlich als Fachverband mit Ideen und Konzepten zu Ihrer Verfügung.

 

Am Samstag, den 6. November findet im Institut Français de Rostock unsere diesjährige Journée du professeur de français statt. Ich möchte Sie ganz herzlich einladen, es wäre sicherlich die Gelegenheit für einen intensiven Gedankenaustausch mit den in der VdF organisierten KollegInnen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Gez. Jeanne Nissen