Gründung des Deutsch-Luxemburgisches Schengen-Lyzeum Perl
Ministerpräsident Peter Müller und Premierminister Jean-Claude Juncker unterzeichnen Abkommen für erste grenzüberschreitende Schule.
Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich: Große Chance für unsere Region.
Luxemburg und das Saarland gründen in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Merzig-Wadern in Perl eine gemeinsame weiterführende Schule. Ministerpräsident Peter Müller und Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker unterzeichneten heute in der Römischen Villa in Perl-Borg ein Abkommen über die Errichtung dieser ersten deutsch-luxemburgischen Schule. Zugleich wurden ergänzende Vereinbarungen mit dem Landkreis und zwischen den beteiligten Bildungsministerien unterzeichnet. Damit kann die Schule, die den Namen „Deutsch-Luxemburgisches Schengen-Lyzeum Perl“ trägt, am 27. August 2007 mit der Klassenstufe 5 starten. Nach der Unterzeichnung des Abkommens unterzeichneten Premierminister Jean-Claude Juncker und Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich das Finanzprotokoll sowie der saarländische Minister für Bildung, Kultur und Wissenschaft, Jürgen Schreier, gemeinsam mit der Ministerin für Erziehung und Berufsausbildung des Großherzogtums Luxemburg, Mady Delvaux Stehres, die Verwaltungsvereinbarung.
- Peter Müller: Wir verwirklichen konkrete grenzüberschreitende Zusammenarbeit
Ministerpräsident Peter Müller unterstrich in seiner Ansprache, dies werde die erste gemeinsame deutsch-luxemburgische Schule, die erste grenzüberschreitende Schule, die alle Schulabschlüsse unter einem Dach ermöglicht, und die erste grenzüberschreitende echte Ganztagsschule. „Wir verwirklichen eine neue weltoffene, europäisch ausgerichtete Schule und damit ein konkretes und gelebtes Stück der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in unserer europäischen Kernregion. Um Europa in der konkreten Kooperation vor Ort umzusetzen, macht es Sinn, gerade bei den jungen Menschen anzusetzen. An unseren Schulen wächst die Zukunft Europas. Hinzu kommt, dass diese Schule ein Beitrag dazu ist, Mobilität bei Jugendlichen über die Grenzen hinweg zu fördern und sie für den europäischen Arbeitsmarkt fit zu machen. Das tägliche Zusammenleben und das gemeinsame Arbeiten von Schülerinnen und Schülern verschiedener Länder in einer von Weltoffenheit und Dynamik geprägten Schule fördern Austausch und Gemeinschaftsgeist.“ Symbolträchtig ist der Ort, an dem die Schule verwirklicht wird. In Schengen wurde das Abkommen über den freien Personen- und Warenverkehr in Europa unterzeichnet. In Perl, direkt gegenüber am anderen Moselufer, erhalten Jugendliche zukunftsweisende und länderübergreifende Ausbildungsmöglichkeiten.
- Jürgen Schreier:
Neben dem Deutsch-Französischen Gymnasium gibt es jetzt eine zweite internationale Schule: Das Schengen-Lyzeum. Es ist ein europäisches deutsch-luxemburgisches Schulprojekt, das alle Abschlüsse umfasst, auch berufsbildende. Das ist gerade im Kulturhauptstadtjahr 2007 eine der nachhaltigsten Initiativen im Blick auf ein zusammenwachsendes Europa. Der Name Schengen steht zum zweiten Mal als Symbol für ein grenzenloses Europa.
- Daniela Schlegel-Friedrich:
Große Chance für die Region Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich erklärte: „Dieses Vorhaben bedeutet eine große Chance für den Landkreis Merzig-Wadern, auch wenn die Finanzierung den Landkreis vor eine schwere Aufgabe stellt. Das ist uns die Sache aber wert, denn jetzt können auch in Bildung und Kultur die Gemeinsamkeiten mit dem luxemburgischen Nachbarn vertieft werden, die durch die wirtschaftliche Verflechtung bereits angebahnt sind.“
- Eine neue weltoffene Schule Das „Deutsch-Luxemburgische Schengen-Lyzeum Perl“ wird zunächst mit der Klassenstufe 5 starten. Es soll später die Klassenstufen 5 – 12 umfassen. Geführt wird die Schule als Ganztagsschule. Die Lehrerschaft soll ebenso international und weltoffen wie die Schülerschaft sein. Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler verschiedener nationaler Herkunft in gemeinsamen Klassen zu erziehen. Bei der Bildung von Klassen und Kursen wird daher nicht nach Nationalität oder Muttersprache getrennt.
Folgende Abschlüsse werden am Schengen-Lyzeum angeboten:
– Der Hauptschulabschluss nach Klasse 9 eröffnet in Deutschland wie in Luxemburg den Zugang zur Berufsausbildung sowie zu anderen Formen der beruflichen Bildung.
– Der mittlere Bildungsabschluss nach Klasse 10 ist am Schengen-Lyzeum Voraussetzung für die Weiterqualifizierung an dieser wie anderen Schulen.
– Das Diplôme de technicien administratif et commercial nach Klasse 12 eröffnet den unmittelbaren Berufszugang in Luxemburg und beinhaltet unter bestimmten Voraussetzungen die fachgebundene Hochschulreife sowie die Fachhochschulreife.
– Mit Bestehen der Abiturprüfung am Ende von Klasse 12 werden zugleich die allgemeine Hochschulreife und das Luxemburger Diplôme de fin d’études secondaires erworben.
Pluspunkte der neuen Schule sind, dass
– sie für ein großes Einzugsgebiet auf beiden Seiten der Mosel die nächst gelegene zur allgemeinen Hochschulreife führende Schule ist,
– sie bei maximaler Durchlässigkeit drei allgemein bildende Abschlüsse und einen berufsbildenden Abschluss anbietet,
– sie die allgemeine Hochschulreife in 12 Jahren erreichbar macht (Luxemburg: 13 Jahre),
– sie auch die Ausbildung zum Technicien administratif et commercial verkürzt (3 statt 4 Jahre),
– sie zugleich auf den deutschen und luxemburgischen Arbeitsmarkt vorbereitet,
– sie berufstätigen Eltern die Vorteile einer Ganztagsschule bietet (Nachmittagsunterricht montags, mittwochs, freitags; Betreuungsmöglichkeiten von 7-18 Uhr an fünf Tagen),
– sie in besonderer Weise für Erziehung zu gegenseitigem Respekt und Weltoffenheit bürgt.
Deutsch und Französisch werden aus der Grundschule fortgeführt. Luxemburgisch wird in den Klassenstufen 5 und 6 obligatorisch unterrichtet und danach als Arbeitsgemeinschaft angeboten. Englisch als 3. Fremdsprache setzt in Klassenstufe 7 ein. Spanisch kommt ab Klassenstufe 10 im gymnasialen Zweig hinzu. Unterrichtssprache ist überwiegend Deutsch; mindestens zwei Sachfächer (z. B. Sport, Musik, Bildende Kunst) werden in französischer Sprache unterrichtet. Im berufsbildenden Zweig (ab Klassenstufe 10) wird ein Teil des fachbezogenen Lernbereichs in Französisch unterrichtet.
Träger des Lyzeums sind das Großherzogtum Luxemburg und der Landkreis Merzig-Wadern. Die Schule nimmt ihren Betrieb in den Räumlichkeiten der Erweiterten Realschule Perl auf. Für diese vom Landkreis eingebrachte Immobilie zahlt das Großherzogtum ein hälftiges Entgeld. Darüber hinaus werden Luxemburg und der Landkreis die erforderlichen weiteren Baumaßnahmen in Höhe von 12 Millionen Euro zu je 50 Prozent finanzieren.
Für den laufenden Betrieb erhält die Schule ein jährliches Budget. Hierzu leisten das Großherzogtum und der Landkreis einen Beitrag entsprechend der Anzahl der Schüler mit Wohnsitz im Großherzogtum bzw. in Merzig-Wadern. Ebenso werden Luxemburg und das Saarland anteilig der Schule Lehrkräfte und sonstiges pädagogisches Personal zur Verfügung stellen.